Norwegen, einer der beeindruckendsten Länder überhaupt. Neben Metropolen und tiefen Fjorden erstrecken sich tiefe Täler und schier unendliche Landschaften, welche zu meiner Reisezeit meistens in Schnee gehüllt waren.
Inhaltsverzeichnis
Übersicht
Nachdem ich die Sklavenarbeit überstanden habe, konnte ich endlich Norwegen erkunden. Es ist Winter und meine Destination liegt ungefähr 2.100 km von Oslo entfernt (wenn man in Norwegen bleibt). In meiner Ausführung waren es sogar ungefähr 3.000 km für eine Strecke! Mein Ziel war der nördlichste Punkt Europas – das berühmte Nordkapp. Wie bereits erwähnt, es ist Winter und zusätzlich war es einer der strengsten Winter in Europa…
Mietwagen ist von Hertz und habe mich dieses Mal für einen Lieferwagen entschieden. Unglücklicherweise habe ich ein „Upgrade“ bekommen und durfte einen großen Ford Transit Custom fahren. Bissal zu groß für mich und die 5,6 m Länge und 2,1 m Höhe waren ab und zu ein großer Nachteil. Winterreifen waren nicht älter als eine Saison alt, nur leider ohne Spikes. Somit hat sich meine Straßenauswahl stark begrenzt. Die E-Straßen waren meine Freunde, nur ab und zu musste ich sehr behutsam mit den Pedalen umgehen.
Ersten Tage
Am Abend des 6. Januar habe ich das Auto befüllt und noch die letzte Nacht, im zur Verfügung gestellten Apartment verbracht, bevor ich das Jedermannrecht zur Geltung bringe. Am Tag bin ich normalerweise so 300 – 400 km gefahren. Auto war noch ungewohnt und bin meisten in Tageslicht gefahren. Generelle Maximalgeschwindigkeit ist 80 km/h in Norwegen, ab und zu gibt es Straßen wo man aber bis zu 110 km/h fahren darf. In ca. 5h kommt man also nicht recht weit. In meiner ersten Nacht wurde ich gleich mit der nordischen Kälte begrüßt und durfte meine ersten -15 °C erleben. Ich besitze einen sehr guten Schlafsack, trotzdem bin ich mit einer Morgenkälte aufgewacht. Obwohl es beim Einschlafen angenehm warm war. Deswegen suchte ich gleich nach Kristiansand eine zusätzliche warme Decke.
Auf den Spuren von Harald-Schönhaar
Im Küstenbereich von Stavanger sieht man unterschiedliche Monumente des Ersten Königs Norwegen Harald-Schönhaar. Danach habe ich gleich einmal meinen kleinen Routenplan durcheinander gebracht. Nach Stavanger wollte ich Bondhusvatnet besuchen und danach nach Bergen und weiter nach Borgund fahren. Damit ich möglichst keine Straße doppelt fahre und auch den wenigsten Sprit verbrauche. Aber nach Haugesund bin ich automatisch nach Bergen gefahren… In Bergen habe ich dann auch wieder zwei Nächte in einem warmen Bett verbracht. Danach ging es zum berühmten Bondhusvatnet und wurde mit einem komplett anderen Bild als erwartet begrüßt. Ich kenne nur die Sommerbilder und im Winter sieht Bondhusvatnet komplett anders aus. Diese Dualität hat mich auf meiner Reise verfolgt. Orte welche ich kennen sollte, zeigen sich von einer komplett anderen Seite wenn sie in Schnee und Eis gehüllt sind.
Nichtsdestotrotz geht meine Reise weiter zur bekanntesten Stabkirche, neben Heddal in Norwegen, die Stabkirche von Borgund. Im Winter ist leider die Ausstellung geschlossen.

Jotunheimen und das Wetter
Die nächste Destination ist das Tal der Riesen – Jotunheimen, so war der Plan zumindest. Wenn man den schnellsten Weg von Borgund nach Jotunheimen nimmt, verlässt man die E und Doppelnummer (10 – 99) Straßen. Somit ist die Straßenräumungsprioritär nicht mehr gewährleistet und dann bekommt man Probleme ohne Spikes. Durch diese Probleme und der nicht erfreulichen Wetterprognose (Beste Wetterapp Norwegen Yr) habe ich eine große Routenänderung eingeplant. Üblicherweise sind meine Reisen mit schlechten Wetter geprägt, aber dieses Mal waren es nur diese 3 Tage wo es wirklich in meiner näheren Umgebung schiach war. Ich wollte nicht im Tal der Riesen mit Neuschnee begraben werden. Teile der E16 waren gesperrt und so musste ich den großen Umweg nach Lillehammer nehmen, um auf die E6 auszuweichen. Dadruch war ich nach über 1.300 km wieder nur 185 km von meinem Startpunkt entfernt…
Nach einer langen Fahrt erreiche ich Innerdalen – welches als eines der schönsten Täler in Norwegen gilt. Eine schöne Wanderung welche erstaunlich anstrengt ist, die ersten 2 km sind sehr steil, verlaufen aber entlang einer Waldstraße.
Trondheim und Bodø
Nächste Unterkunft liegt in Trondheim. Diese kleine Stadt hat mich positiv überrascht. Am Horizont schneebedeckte Gipfel, eine kleine Altstadt und der mächtige Nidarosdom. Außerdem bin ich jetzt schon knapp unter dem Polarkreis und somit gibt es fast nur mehr die Blaue und Goldene Stunde. Der Himmel wird in wunderschönen Farben gehüllt und das sind die Idealbedingungen für die Fotografie. Nach einer kleinen Pause hab ich dann die nächste Nacht am Polarkreis verbracht. In Island war ich knapp unter diesen Kreis und in Norwegen markiert diese Grenze ungefähr die Hälfte meines Weges. Nur mehr ca. 1.600 km bis zum Nordkapp…
Zufälligerweise war es die Nacht auf den 21. Jänner. Die Nacht mit den Sonnensturm von G4 mit Kp – Index 9. Man konnte die Nordlichter bis nach Mitteleuropa sehen, nur war ich nicht informiert und habe so gut geschlafen, dass ich davon nichts mitbekommen habe… Nichtsdestotrotz, dieser Sturm hat meine Nächte geprägt. Jede Nacht welche ich über den Polarkreis verbracht habe, hat sich Lady Aurora gezeigt. Nur hatte ich oft leider keinen guten Hintergrund, wo ich die Kamera ausgepackt habe.
Danach ging es nach Bodø um die Fähre nach Moskenes zu nehmen. Von Bodø habe ich wirklich gar nichts gewusst, nur dass es eine kleine Fischerstadt ist. Wenn man nichts erwartet, kann man auch nicht enttäuscht werden. Ganz im Gegenteil, ich wurde erneut positiv überrascht. Die Stadt ist nicht so schön wie Trondheim, dafür wird die Landschaft spektakulärer.
Lofoten
Die wahrscheinlich berühmteste Fähre in Norwegen bringt einen zu den Lofoten. Die zerklüftete Halbinsel im hohen Norden. Dort habe ich ein wenig tiefer in die Tasche gegriffen und eine wirklich schöne Unterkunft in Hamnøy bekommen. Die Fähre ist um ca. 18:30 Uhr angekommen und es waren bereits die tanzenden grünen Lichter am Himmel zu erkennen. Dadurch hatte ich jetzt auch einen schönen Hintergrund und meine Ruhezeit wurde immer später. Am nächsten Morgen hat sich der Himmel erneut im besten Licht gehüllt und habe ca. 4h fast durchgehend meine Kamera ausgelöst. Nordlichter, A i Lofoten, Reine und Hamnøy abgeschlossen und am Abend habe ich auch etwas neues ausprobiert – Sternenspuren. Das Setup war aufwändig; Powerbank für externe Stromversorgung der Kamera; außerdem ein Kabel für die Objektivheizung, damit die Linse nicht anschlägt; Stativ und das interne Intervallprogramm einstellen. Nachdem alles funktioniert hat, habe ich 3h in der Unterkunft verweilt.
Danach wieder zurück zur Kamera und dort wurde ich einmal enttäuscht. Von meinen eingestellten 300 Bildern wurden nur 86 aufgenommen. Ich hab keine Ahnung warum die Kamera nach ca. 1h aufgehört hat. Powerbank hatte noch Kapazität, alle Kabeln waren auch noch eingesteckt und ca. 50 % des Speicherplatz waren vorhanden. Für mich immer noch eine ungelöste Frage. Wie dem auch sei, vielleicht weiß die Kamera mehr als ich und hat bewusst nach 1/3 gestoppt. Die Nachbearbeitung war teilweise anstrengend, aber das Endergebnis ist vielleicht mein Favorit von meiner Reise durch Norwegen und ebenso mein bestes Bild welches ich aufgenommen habe.

Nach dieser Errungenschaft, habe ich das südlichste Drittel abgeschlossen und erkunde die nächsten Tage den Mittelteil und den Norden der Lofoten.
Nordkapp
Nach diesen Highlight war das Nordkapp zum Greifen nahe. The Capital of the Arctic – Tromsø habe ich bewusst ausgelassen. Dort wollte ich nicht im Auto schlafen, aber Tromsø ist wahrscheinlich die teuerste Stadt in Norwegen und eine Unterkunft beginnt bei +70 € pro Nacht. Somit habe ich mir diesen Umweg erspart und bin gleich nach Alta gefahren. Die meisten Nächte waren um die -10 °C und mit der zusätzlichen Decke sehr gut auszuhalten. Nur nach den Lofoten ist die kalte Luft vom finnischen und schwedischen Lappland nach Norwegen gekommen und die letzte Nacht vorm Nordkapp war noch einmal eine Herausforderung.
Es war eine Nacht im Gefrierschrank bei -18 °C und am Morgen sind die Temperaturen auch teilweise bis zu -28 °C gefallen. In dieser Nacht habe ich auch gemerkt, warum ich bei unter -15 °C eine Morgenkälte habe. Deine ausgeatmete Luft wird dein Feind und friert den Schlafsack ein. Alles was nicht von einer dickeren Decke geschützt ist, friert; d.h. normalerweise dein Brustbereich. Deswegen fühlt man sich sehr wohl beim Einschlafen, aber beim Aufstehen ist ein wichtiger Teil des Schlafsacks gefroren und somit kalt.
Nach dieser Erkenntnis beginnt die letzte Fahrt zum Nordkapp. In den frühen Morgenstunden besetze ich den Fahrersitz und erreiche um ca. 8:30 Uhr den nördlichsten Punkt Europas. Der Himmel leicht bewölkt und in einer wunderschönen Morgenröte gehüllt. Bei warmen -7 °C steige ich aus und beschreiten den letzten Weg zum Globus am Nordkapp. Nun stehe ich am ziemlichen Ende der Welt und blicke in den endlosen Horizont der Barentssee. Ich habe mein Ziel erreicht und nach einem kurzen Moment der Stille, frage ich mich, wie soll es weiter gehen?

Gebühren Nordkapp
Der Parkplatz + Außenbereich am Nordkapp kosten 115 NOK (Stand Jänner 2026). Außerdem gibt es zusätzlich den Innenbereich mit Ausstellung, Restaurant und Souvenirshop. Dieser Eintritt kostet 360 NOK (Stand Jänner 2026). Somit gibt man ungefähr 50 € aus um das Nordkapp zu erkunden. Eine teure Ausstellung, aber man bekommt einen guten Einblick vom nördlichsten Punkt Europas.
Die größte Stadt am Nordkapp ist Honningsvåg. Dort habe ich zwei Nächte verbracht, für 114 € verbracht. Ned billig, aber ich habe die Pause benötigt. Ich war extrem erschöpft und den zweiten Tag verbrachte ich nur im Bett. Diese Erschöpfung hat mein Reiseplan ein wenig beeinflusst. In zwei Tagen bin ich nach Trondheim gefahren (Distanz 1.600 km) und dort habe ich mich erholt und meine Sachen gepackt. Am 5. Februar hab ich das Auto zurückgegeben und bin auf Urlaub geflogen.
Abschließende Gedanken
Norwegen ist ein wunderschönes Land, aber die Distanzen sind doch relativ groß. Nachdem ich keine Schneeschuhe, oder Schi hatte, konnte ich nur sehr wenige Wanderungen unternehmen. Wenn man Wandern will, dann sollte man ab Mai nach Norwegen kommen. Es ist schon ein teures Land, aber im Vergleich zu Island billig. Die Mautgebühren sind aber relativ teuer, die Fähren funktionieren ausgezeichnet.
Die Europastraßen waren alle sehr gut geräumt. Die E6 ist die Verbindungsstraße von Skandinavien und mit über 3.000 km sehr lang. Alle Straßen führen nach Rom und früher hat die E6 auch dort hingeführt. Wenn man von den Hauptverbindungsrouten abkommt, sind Spikes oder Ketten Pflicht. Auch auf den E-Straßen gibt es viele Stellen wo man auf Eis fährt. Nachdem ich im Jänner gereist bin, war das Sonnenlicht kein Problem, am Nordkapp hatte ich doch 4/5h Tageslicht. Im Dezember wird es hingegen dunkel sein.
Temperaturen sind grundsätzlich gut auszuhalten. Die letzte Jännerwoche war extrem und ist ein wenig aus der Reihe getanzt. Aber ohne einer externen Heizung würde ich dieses Abenteuer nicht erneut beschreiten. Entweder lässt man das Auto rennen, oder man holt sich eine Dieselheizung. Jeder Morgen wo der Schlafsack halbgefroren ist, war unangenehm und über den Tag wird dieser auch nicht mehr auftauen. Somit hat man eine Spirale und jeden weiteren Tag hat man eine geringere Wärmeleistung.
Die „offizielle“ Wintersaison geht normalerweise Ende Februar bis Ende April. Deswegen sind viele Attraktionen und andere Dienstleistungen im Jänner geschlossen. Vorteil: es gibt sehr wenige Touristen und durch die Wintersonnen sind die Farben grandios. In den Lofoten gibt es trotzdem Touristen, aber wirklich überschaubar. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man die Lofoten in dieser Zeit besuchen. Insgesamt ist diese Schultersaison eine wunderbare Zeit Norwegen zu erkunden. Wenn man noch Nordlichter sehen will, dann sollte es noch dieses Jahr passieren. Der starke Solarzyklus 25 geht in seine Minimumphase über und es wird wahrscheinlich eine Dekade dauern, bis man wieder ähnliche Bedienungen hat.
Es war ein grandioses Abenteuer! Die letzte Jännerwoche hat mich aber doch an meine Grenzen gebracht. Trotzdem ist es ein Privileg diese Reise zu unternehmen. Budget ist noch ein wenig vorhanden, schau ma mal wie es weiter geht.
Abrechnung
Ich bin bereits Mitte Oktober in Oslo angekommen und habe zwei Wochen eine Unterkunft für ca. 885 € gemietet. Somit ist der tatsächliche Betrag für die Unterkunft, während meiner Reise zum Nordkapp ca. 10.000 NOK (Stand Februar 2026) günstiger. Dadurch haben die Unterkünfte nicht 28 %, sonder eher 16 % meines Budget eingenommen. Außerdem wurde mir der Flug nach Oslo von meiner Arbeit übernommen.
Wie dem auch sei, ich habe auf dieser Reise 5.465,40 € (+300 € Flug) ausgegeben und ca. 4.350 € verdient.
Angaben ohne Gewähr.

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